Mittwoch, 19. Februar 2014

"86 400"



Stelle dir vor, du hast bei einem Wettbewerb folgenden Preis gewonnen:
Jeden Morgen, stellt dir die Bank 86400 Euro auf deinem Bankkonto zur Verfügung. Doch dieses Spiel hat auch Regeln, so wie jedes Spiel bestimmte Regeln hat.

Die erste Regel ist: Alles was du im Laufe des Tages nicht ausgegeben hast, wird dir wieder weggenommen, du kannst das Geld nicht einfach auf ein anderes Konto überweisen, du kannst es nur ausgeben. Aber jeden Morgen, wenn du erwachst, eröffnet dir die Bank ein neues Konto mit neuen 86400 Euro für den kommenden Tag.
Zweite Regel: Die Bank kann das Spiel ohne Vorwarnung beenden, zu jeder Zeit kann sie sagen: Es ist vorbei. Das Spiel ist aus. Sie kann das Konto schließen und du bekommst kein neues mehr.

Was würdest du tun??? Du würdest dir alles kaufen was du möchtest? Nicht nur für dich selbst, auch für alle Menschen die du liebst. Vielleicht sogar für Menschen die du nicht kennst, da du das nie alles nur für dich alleine ausgeben könntest. Du würdest versuchen, jeden Cent auszugeben und ihn zu nutzen, oder? Du würdest alle deine Träume wahr werden lassen, wärst der glücklichste Mensch der Welt und würdest jeden Abend hoffen, dass das Konto am nächsten Tag noch da ist.
Aber eigentlich ist dieses Spiel die Realität: Jeder von uns hat so eine “magische Bank”. Wir sehen das nur nicht. Die magische Bank ist die Zeit. Jeden Morgen, wenn wir aufwachen, bekommen wir 86400 Sekunden Leben für den Tag geschenkt und wenn wir am Abend einschlafen, wird uns die übrige Zeit nicht gutgeschrieben. Was wir an diesem Tag nicht gelebt haben, ist verloren, für immer verloren, Gestern ist vergangen. Jeden Morgen beginnt sich das Konto neu zu füllen, aber die Bank kann das Konto jederzeit auflösen, ohne Vorwarnung, kann es vorbei sein, jeder muss  einmal sterben.
Doch warum fangen wir dann nicht an, jede Sekunde unseres Lebens auszunutzen?
Warum springen wir nicht auf, schreien vor Freude, weil wir am Leben sind.
Warum wachen wir nicht morgens auf und freuen uns, dass unser Konto noch gefüllt ist, sind nicht dankbar dafür, dass das Spiel noch nicht vorbei und das wir wieder 86400 Sekunden Zeit bekommen haben, die wir nutzen können?
Weil das Leben selbstverständlich ist, nichts Besonderes, nichts einzigartiges, kein Preis den man gewonnen hat und kein Geschenk, an dem man sich erfreuen kann.
Warum versuchen wir nicht, jede Minute unseres Lebens zu nutzen und jeden Tag unbezahlbar zu machen.
Warum lassen wir unsere Träumen  an den Wänden hängen, wie Bilder, die uns an eine bessere Zeit erinnern sollen, doch versuchen nicht, sie zu verwirklichen.
Weil das Leben ja selbstverständlich ist, nichts Besonderes, nichts einzigartiges, kein Preis den man gewonnen hat und kein Geschenk, an dem man sich erfreuen kann.
Denn schon wenn wir nur daran denken zu leben, dann spüren wir den Geschmack von Enttäuschung auf der Zunge. Unser Herz zieht sich zusammen und unser Kopf neigt sich. Und wir geben einfach auf. Wir geben einen Kampf auf, den wir nie begonnen haben, nur, weil wir Angst haben, enttäuscht zu werden.
Denn wir, wir gehören nicht zu diesen Menschen, die ihr Leben unvergesslich machen. Wir gehören nicht zu diesen Menschen, die andere beneiden, weil sie ihr Leben unvergesslich machen. Wir gehören nicht zu diesen Menschen, die etwas riskieren um am Ende sagen zu können, dass sie jeden Tag genutzt haben, dass sie das Spiel gewonnen haben.
Also Leben wir unser sicheres Leben, ohne Gefahren und mit Problemen wie Meere. Probleme, die wie Regen auf uns Niederprasseln und nicht trockenen wollen. Immer und Immer mehr, bis wir irgendwann darin ertrinken. Ja, wir ertrinken darin. In den Problemen unseres Lebens.
Weil wir nicht genug sind. Wir sind nicht genug und das Leben ist es auch nicht. Nichts ist genug, um uns glücklich zu machen. Denn wir hungern immer nach mehr, nach mehr und mehr, aber anstatt dafür zu kämpfen um es zu bekommen, bleiben wir in unserem sicheren Leben, ohne Gefahren und mit Problemen wie Meere.
Denn wir wollen nicht einsehen das man für etwas, was man nie hatte, etwas tun muss, was man noch nie getan hat. Wir verdrängen es, so wie wir alles verdrängen, unseren Kummer ertränken.
Doch ist es nicht unsere eigne Schuld, wenn wir jeden Morgen wieder erwachen mit dem Gewissen, dass wir immer noch keine Lösung kennen? Dass die Probleme immer noch da sind und wir immer noch nicht gelebt haben?
Und dann, dann glauben wir an Engel, Schicksal und Wunder. An Dinge, die wir nicht verstehen und nicht kennen. Aber, auch, wenn wir nicht wissen, ob man unser Schreien hört, ob man unsere Wünsche erhört, so ist es doch leichter, als an sich selbst zu glauben und in das Leben zu vertrauen. Denn wenn wir enttäuscht werden, ja, dann müssen wir uns wenigstens nicht die Schuld dafür geben, oder? Schließlich können wir nichts dafür, wenn wir enttäuscht werden, wir, die doch so sehr dafür gekämpft haben.
Doch warum werden wir immer enttäuscht? Warum können wir nicht einfach glücklich sein? Warum verlieben wir uns immer in die falschen Kerle, und vertrauen die falschen Freunden, nur am Ende festzustellen, dass wir schon wieder unsere Zeit vergeudet haben.
Das wir unsere täglichen 86400 Sekunden schon wieder verschwendet haben.
Doch warum sollte uns das stören, wenn das Leben doch nur selbstverständlich ist, nichts besonderes, nichts einzigartig, kein Preis und kein Geschenk?
Warum sind wir denn trotzdem so enttäuscht, wenn wir etwas davon verlieren?
Ihr sagt die Wahrheit ist, dass das Leben schlecht ist und grau. Und das man versuchen muss, irgendwie durchzukommen, irgendwie es schaffen muss, genug zu sein, nur um am Ende sagen zu können, dass man es nicht ganz verbockt hat. Das man diese eine Chance einigermaßen genutzt hat.
Doch ich sage Nein! Spürt ihr das nicht auch in euch? Wie könnt ihr diese Engstirnigkeit ertragen? Wie könnt ihr noch einen Tag in dieser Enge leben? Spürt ihr nicht diese Schlinge, die sich um euren Hals legt, wenn schon wieder ein Jahr ins Land gegangen ist, ohne das ihr etwas getan habt, ohne das ihr GELEBT habt? Diese Dumpfheit und diese Machtlosigkeit, etwas dagegen zu tun? Ist das euch egal?
Ich will das nicht. Ich spüre diesen Hunger in mir. Diesen Hunger nach mehr, den Hunger nach leben. Ich will das nicht mehr, ich will nicht so leben. Ich will mehr, mehr vom Leben. Ich will meine Träume erfüllen und sie in Marmeladengläsern aufbewahren und wenn es mir schlecht geht sie öffnen und daran riechen. Ich will meine Probleme lösen und mit einen Lächeln durchs Leben wandern, ohne Sorgen und Fragen nach dem Morgen. Ich will endlich genug sein, für mich und für andere und wenn das Ende da ist will ich sagen können, dass ich keine einzige Sekunde meines Lebens verschwendet habe. Und ich will zu diesen Menschen gehören, die ihr Leben lebenswert machen, zu diesen Menschen, die von anderen beneidet werden.
Denn wir haben nur diese eine Chance. Dieses eine Leben, das jeden Tag vorbei sein kann. Und ich will diese Chance nutzen, denn was habe ich zu verlieren? Was nutzen mir diese täglichen 86400 Sekunden wenn ich sie Tag für Tag vergeude? Ist es nicht besser, sie alle auf einmal so gut wie möglich zu leben, und vielleicht dafür früher es zu beende, dieses Spiel des Lebens, aber dann wenigstens zu den Menschen zu gehören, die es gut gespielt haben? Ist das nicht besser als alles andere?
Also komm, lass uns aus diesen täglichen 86400 Sekunden das Beste machen. Lass uns unsere Träume Leben und jede Sekunde nutzen. Nicht nur für uns, sondern auch für andere. Für Menschen, die wir Lieben und Menschen, die wir nicht kennen, denn wir können niemals all unsere Zeit allein für uns leben. Also komm und lass uns lernen, dieses Spiel zu spielen. Lass uns lernen, unser Leben zu leben.
Denn das Leben ist nicht selbstverständlich, es ist besonders und einzigartig, der größte Preis den man gewinnen kann und das schönste Geschenk der Welt.
Denn in Wahrheit ist die Wahrheit auch nur eine Erfindung des Lügners und niemand anderes kann dir sagen, wie du dein Leben leben sollst. Es ist deine Entscheidung und niemand kann sie dir abnehmen.
Also bestimme selbst, wie du das Leben siehst und wie du es Leben willst, denn wenn du deine Zeit nicht jetzt ausnutzt, wann dann?
Du hast nur diese eine Chance und was du heute nicht lebst, das bekommst du nie wieder.
Was machst du also mit deinen täglichen 86400 Sekunden? Sind sie nicht viel mehr wert als die gleiche Menge in Euro? Also fang an dein Leben zu leben!

2 Kommentare:

  1. Ich kann es selbst kaum fassen, dass ich erst jetzt hier endlich mal kommentiere... Ich hab den Text auch eigentlich schon viel früher gelesen, aber ich war erst so sprachlos, dass ich nicht wusste, was ich schreiben sollte und dann hab ich's irgendwie wieder vergessen...

    Wie gesagt, ich bin sprachlos... Der Text ist richtig gut und alles darin ist so unglaublich wahr und ermutigend! Ich kann eigentlich gar nicht anders, als dir nur für diesen Text zu danken, er ist echt toll und auch sprachlich wirklich super geschrieben!

    Gott, das klingt irgendwie schleimerisch und blöd und komisch, aber egal, ich weiß einfach nicht, was ich sonst dazu schreiben sollte... du hast mich wirklich irgendwie sprachlos gemacht...

    Liebe Grüße
    Chrisi

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    1. Huhu Chrisi :)

      Schön, dass du hier vorbei schaust :) Oh Gott, irgendwie ist mir das peinlich, hier so meine Texte zu veröffentlichen. Ich habe nämlich schon 16 Stück geschrieben und nur zwei hochgeladen, die einigermaßen okay waren.

      Aber es freut mich total, dass dir mein Text gefallen hat. Das macht mir total Mut, weiterzuschreiben und vielleicht auch mal an diesem noch so scheußlich aussehenden Blog zu werkeln :D <3333

      Liebe Grüße
      Kücki ♥

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